Elektromobile Stadt
Elektrisch angetriebene Fahrzeuge werden in den nächsten Jahren eine zunehmende Bedeutung erlangen. Dem größten Vorteil von Elektrofahrzeugen, der lokalen Emissionsfreiheit, steht dabei ein entscheidender Nachteil gegenüber: die derzeit noch geringen Reichweiten. Laut Florian Rothfuss kommt daher vor allem dem urbanen Raum eine zentrale Bedeutung hinsichtlich des sinnvollen Einsatzes von Elektromobilen und damit deren Verbreitung zu.
transformiert werden (Brown-Field-Ansatz) und zum anderen gilt es im Hinblick auf die fortschreitende Urbanisierung in anderen Regionen, dort emissionsarme, zuverlässige Mobilitätskonzepte zur frühzeitigen Integration in neue Stadtentwicklungsprojekte zu entwickeln (Green-Field Ansatz). Trotz aller Anstrengungen der vergangenen Jahre, den öffentlichen Nahverkehr auszubauen, wird nach der Verkehrsstudie „Mobilität in Deutschland“ die Mehrzahl der Wege (rund 40 Prozent) über den lärm- und abgasverursachenden „motorisierten Individualverkehr“ zurückgelegt. Und dieser Anteil ist über die letzten Jahrzehnte annähernd stabil geblieben. Stadt- und Verkehrsplaner sind damit vor die Herausforderung gestellt, unter Berücksichtigung der offensichtlich kaum zu ändernden grundlegenden Mobilitätsbedürfnisse der Stadtbewohner und Pendler die Lebensqualität ihrer Städte zu optimieren. Genau diese Chance bekommen die Städte nun mit den elektromobilen Antriebskonzepten für Fahrzeuge. Die Elektromobilität stellt nicht das Bedürfnis des Menschen nach individueller und motorbetriebener Mobilität infrage, sondern bietet vielmehr die einmalige Chance, die Art und Weise, wie sich die Menschen individuell und motorisiert fortbewegen, zu ändern. Dabei steht dem derzeit größten Vorteil von Elektrofahrzeugen, der lokalen Emissionsfreiheit, ein entscheidender Nachteil gegenüber: geringe Reichweiten. Der urbane Raum stellt damit einen idealen Anwendungsfall für die elektromobile Fortbewegung dar. Natürlich muss auch der Strom für die Antriebsleistung erzeugt werden. Elektromobilität ist so lange keine CO2-neutrale Mobilität, bis unsere Stromerzeugung nicht vollständig auf regenerative Energien umgestellt ist. Viel wichtiger für die Lebensqualität in der Stadt ist jedoch, dass die Elektromobilität schon heute lokal emissionsfrei ist und weniger Feinstaub und Lärm verursacht. Eine Stadt, die ernsthaft an der Gesundheit und Lebensqualität ihrer Bürger interessiert ist, muss sich damit zwangsläufig mit ihrer Ausrichtung auf die Elektromobilität beschäftigen.
Nach einer Umfrage aus dem Jahre 2009 haben bereits 20 Prozent aller Städte in Deutschland Aktivitäten in Richtung Elektromobilität angestoßen. Diese Zahlen erstaunen umso mehr, zieht man in Betracht, dass in Deutschland bislang kein kommerziell erhältliches rein elektrisches Großserienfahrzeug verfügbar ist. Ein zentrales Thema für die Elektromobilität in der Stadt ist die Planung, Entwicklung und der Aufbau einer Ladeinfrastruktur. Wie sich Ladesäulen optimal ins Stadtbild integrieren und auf die Anforderungen der Nutzer anpassen lassen, ist eine der Fragestellungen an die Forschung. Ein Lösungsansatz dafür, der zurzeit bei Fraunhofer gemeinsam mit einem Industriepartner entwickelt wird, ist eine LED-Straßenleuchte mit integrierter Ladestation. Der Integration von Elektrofahrzeugen in kommunale Fuhrparks kommt ebenfalls eine große Bedeutung hinsichtlich der Diffusion von Elektromobilität zu. Mit meist klar definierten Einsatzprofilen und täglichen Fahrtstrecken von weit unter 100 km eignen sich Kommunalfahrzeuge hervorragend für das Leistungsprofil der Elektromobilität. Mit der Stadt Ludwigsburg testen wir beispielsweise derzeit, wie sich die Mobilitätsbedarfe einer Stadtverwaltung mit unterschiedlichsten rein elektrischen Fahrzeugen – vom Segway über das Pedelec und den E-Roller bis zum PKW – erfüllen lassen. Nicht nur aufgrund des Leistungsprofils der Elektromobilität ist eine Diffusion der Technologie zunächst in urbanen Gebieten zu erwarten. So leben auch die so genannten „Early Adopters“, also Erstkäufer neuer Technologien, meist in Städten. Darüber hinaus kann in Städten mit ihrer hohen Bevölkerungsdichte eine enorme Sichtbarkeit für neue Technologien erzeugt werden – ein wichtiger Einflussfaktor auf die Akzeptanz von Technologien. Die hohe Bevölkerungsdichte ist ebenfalls eine Voraussetzung für das Funktionieren von alternativen Betreibermodellen für Fahrzeuge wie z.B. Car-Sharing. Diese Sharing-Konzepte stellen ein interessantes Einsatzfeld für Elektrofahrzeuge dar – ob diese nun selbst in den Fahrzeugpool aufgenommen werden oder aber der Elektrofahrzeugbesitzer sich für Langstrecken eines konventionellen Fahrzeuges bedienen kann.
In einer Stadt bestehen darüber hinaus gezielte, lokale Förder- und Anreizmöglichkeiten für Elektromobilität wie beispielsweise durch das Schaffen kostenloser Parkplätze oder die Freigabe von Busspuren im Innenstadtbereich. Eine gewisse Marktdurchdringung vorausgesetzt, werden vor allem die Städte von der Elektromobilität profitieren. Gerade in Ballungsräumen, wo der Zielkonflikt zwischen der zwingenden Notwendigkeit der Mobilität von Menschen und Gütern sowie den negativen Auswirkungen des Verkehrs – wie beispielsweise Lärm, Schadstoffbelastung von Mensch und Umwelt sowie Ressourcen- und Raumbedarf – besonders deutlich wird, bieten Elektromobile enorme Vorteile. Die Städte als die späteren großen Profiteure sollten daher bereits heute mit den ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten bereit sein, als Katalysatoren für die Elektromobilität zu dienen. Damit sich das Elektroauto als Stadtauto in der Breite durchsetzen kann, müssen die Städte ihre Infrastruktur so ausrichten, dass es für Bürgerinnen und Bürger attraktiver ist, sich eines Elektrofahrzeugs zu bedienen, obwohl es vom Anschaffungspreis her teurer ist als ein konventionelles Fahrzeug. Neben der Infrastruktur gilt es ebenfalls, innovative Fahrzeugkonzepte – zugeschnitten auf den Stadtverkehr sowie passende Geschäftsmodelle – zu entwickeln, um die Kunden von elektrischen Antriebskonzepten zu überzeugen. Neben der Stadt sind somit auch Unternehmen aus dem Bereich Automobilwirtschaft, Energiewirtschaft und Informations- und Kommunikationstechnologie gefordert, neue Konzepte zu entwickeln und umzusetzen.
florian.rothfuss@iao.fraunhofer.de
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